Börsentipp: Logistikfirmen und Kurierdienste sinnvoll?

Börsentipp: Logistikfirmen und Kurierdienste sinnvoll?

Jegliche gesellschaftliche Veränderung hat auf Seiten der Wirtschaft ihre Gewinner und ihre Verlierer. Das ist so, das gehört zum Fortschritt dazu. Gleiches gilt für die Zeiten der Krise, in der wir uns aktuell befinden. Während die Wirtschaft zu kollabieren droht, gibt es Firmen, die mehr Gewinne einfahren als jemals zuvor. Macht ein Investment dort momentan Sinn?

Welche Chancen und Risiken bieten Logistik-Investments?

Spekulanten sind psychologisch gesehen ein sehr berechenbares Volk. Tut sich irgendwo eine dauerhafte Verbesserung der Gewinnsituation auf, dann schieben sie quasi blind das Geld von A nach B. In der aktuellen Corona-Krise wimmelt es daher nur so von Aktientipps. Zahlreiche Magazine und Online-Medien betiteln reißerisch, dass Sie "sich mit diesen Aktien vor der Krise schützen und sogar profitieren."

Tatsächlich ist es so, dass manche Firmen in der Krise kurz vor dem Ruin stehen: Fluggesellschaften, Hotelketten, Fitnessstudios und viele weitere mehr. Auf der anderen Seite horten die Menschen WC-Papier, Schutzmasken und andere Produkte, so auch Mehl oder Milch. Deren Hersteller reiben sich natürlich die Hände. Wer ebenfalls von der Lage profitiert, das ist die Logistikbranche. Menschen bestellen fast alles nur noch im Internet, nachdem die Läden zu sind. Unternehmen wie Amazon, DHL, UPS usw. kommen an ihre Grenzen. Auch der Express Kurier Zürich berichtet derzeit von vollen Auftragsbüchern. Wurden früher eilige Geschäftsdokumente teilweise selbst überbracht oder vom Lieferdienst, fällt diese Option nun weg. Viele Mitarbeiter dürfen gar nicht raus, einige Lieferdienste können kurzfristige Termine nicht mehr halten, weil sie komplett überbucht sind. Aus diesem Grund wurden von vielen Spielern der Branche die Preise für Overnight Transporte und Express-Aufträge angehoben.

Grundsätzlich könnte man als Investor nun sagen, dass die Gewinne doch da sind. Warum also nicht reagieren? Gesteigerte Umsätze und Gewinne sind doch immer ein Grund zum Einstieg? Stellt sich nur die Frage, was mit diesen Firmen passiert, wenn die Krise vorbei ist?

Wenn sich die verbesserte Gewinnsituation nur vorübergehend ändert, dann wird der Aktienkurs solcher Gesellschaften zwangsläufig wieder einbrechen. In den Büchern würde dann lediglich ein Rekordjahr verbucht werden. Wenn sich aber die Lage wieder normalisiert, dann wird das Geschäft wohl zurückfallen auf den ursprünglichen Status. Vielleicht wird es sogar weniger sein als vor der Krise. Gut möglich, dass nach Corona erstmal ein paar hässliche Jahre der Rezession folgen werden. Auch solche Dinge lassen Kurse einbrechen.

Das einzig mögliche Positiv-Szenario ist, dass Covid 19 langfristige Spuren in der Gesellschaft hinterlässt. Vor allem ältere Menschen haben nun zwangsläufig gelernt mit dem Internet und den Online-Versand umzugehen. Gut möglich, dass sie Gefallen daran gefunden haben und nie wieder in die Läden zurückkehren möchten. Des Weiteren kann es sein, dass sich das Social Distancing auf Dauer in der Gesellschaft etabliert. In diesem Fall könnte der Trend zu vermehrtem Versandhandel tatsächlich dazu führen, dass die Gewinne von Dauer wären. Doch auch hier liegt noch ein Risiko. Wenn eine Branche expandiert, weil es dort Geld zu machen gibt, dann werden natürlich vermehrt Konkurrenten in diesen Markt einsteigen. Umsatz zieht neue Anbieter an wie ein Magnet - was wiederum die Preise sinken lässt. So wie in Zeiten des Immobilienbooms sich die Anzahl an Maklern drastisch erhöht hatte, so könnte es hier ablaufen.

Langfristig also sehen wir zumindest keine sinnvollen Gründe, um sein Geld in solche Papiere zu stecken. Nach einem kurzen Boom dürfte dem Kursturbo wohl der Treibstoff ausgehen. Aber das ist nur unsere subjektive Meinung und soll keine Anlagenberatung sein.

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